„Neuburg wird zu Glücksburg“

Kurzer Rückblick auf 15 Jahre Bestehen der Neuburger Tafel

von Anne Stempel-de Fallois am 19. Juli 2015 beim Schwalbanger-Stadtteilfest

 

Liebe Festgemeinde zum 15jährigen Bestehen der Neuburger Tafel,

 

es führt kein direkter Weg von Neuburg nach Glücksburg – weder mit dem Fahrrad, obgleich es dort oben an der Ostsee (vgl. Landkarte als Kopie) wirklich sehr gute und gut markierte Fahrradwege gibt – noch mit dem Auto.

Aber: Neuburg wird zu Glücksburg, wenn der „Glücksbringer“ unterwegs ist . Das Glück kommt nach Neuburg, und zwar jede Woche dienstags und mittwochs:

 

Ihr Kinder, kennt Ihr den Glücksbringer? Den großen weißen Bus der Neuburger Tafel, eines der drei Transport-Autos, die die Neuburger Tafel besitzt? [ … und die ND-Tafel ist die einzige in Deutschland, der 2 Busse nacheinander gestohlen worden sind: 2006 und 2007! Erinnert Ihr Euch?] Der Glücksbringer-Bus hat da vorne geparkt ….na , dann muss er heute vielleicht ein paar extra Touren für die Tafel fahren, damit ihn wirklich alle sehen!

 

Ja, und in diesem Glücksbringer-Bus sitzen auch Glücksbringer: mindestens zwei Personen: Die Fahrer! Welch´ ein Glück! Die Fahrer/in sind oft auf dem Weg zu Märkten und Geschäften. Sie zeigen ihr Gesicht für die Neuburger Tafel und schleppen Kisten herein und heraus, räumen ein und aus, holen nicht nur Ware ab, sondern sprechen mit den Filialleiter/innen und vernetzen die Neuburger Tafel so in der Neuburger Bevölkerung!

Eckart von Hirschhausen schreibt in seinem Buch, S. 124: GLÜCK kommt selten allein …: „Glück ist ansteckend und breitet sich in Netzwerken aus!“

 

Netzwerke bilden die Fahrer/innen. Heute sind unter uns auch Gäste aus anderen Tafel-Läden: Herzlich Willkommen! So halten wir als ND-Tafel Kontakt zu den Tafeln in Eichstätt, Schrobenhausen, Augsburg, Nördlingen, Ingolstadt. Pfaffenhofen, etc. - sogar nach Berlin und Dresden zu bundesdeutschen Tafeltreffen sind die Neuburger schon gefahren.

 

Die bundesdeutschen Tafeln feierten 2013 übrigens 20jähriges Bestehen – und darüber heißt es in der Festschrift >Feedback. 20 Jahre. Die Tafeln. Essen, wo es hingehört<, S. 4: „Es gibt Jubiläen, die lösen zwiespältige Gefühle aus. Das 20jährige Bestehen der Tafeln in Deutschland ist so eines: Warum die Tafel entstehen und sich so rasant entwickeln konnten, hat mehrere Ursachen. Manche davon machen betroffen (Armut und Verschwendung), andere machen Mut (engagierte Bürger und Unternehmen). Der >Stern< hat die Tafeln enmal als eine der größten sozialen Bewegungen unserer Zeit bezeichnet. Mit ihrer Arbeit haben die Tafeln in den vergangenen Jahrzehnten zwei Phänomene ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt: Armut und Lebensmittelverschwendung. Beide wurden lange Zeit kaum ernsthaft wahrgenommen. Das ist heute anders.“

 

Ja, die Fahrer/innen im Glücksbringer sorgen dafür, dass Armen geholfen wird und Lebensmittel nicht so sehr verschwendet werden! Und sie sprechen mit den Marktleuten und halten die Transporter sauber: mit Glück wenigstens!

Die Fahrer/innen sagen dem Verantwortlichen für die Transporter, was fehlt, was kaputt gegangen ist, ob sie irgendwo gegen gefahren sind – hoffentlich keine Fahrradfahrerin erwischt haben -  usw. Sie reinigen und reparieren – mit Glück, jedenfalls! Und mit Glück kommen sie gesund wieder an, am Schwalbanger: wohlbehalten! Und dann warten da andere Glücksbringer, die nehmen die Waren heraus, sortieren, waschen, schneiden, verpacken und räumen und legen alles zur nächsten Ausgabe bereit: Das ist Arbeit!

Rund 62 Personen sind ehrenamtlich in der Tafel tätig, 149 Mitglieder hat die Tafel: … lieber Karl-Heinz, da fehlt doch noch eine/r (ich winke mit der Beitrittserklärung für 12 € im Jahr): vielleicht bekommt der 150. heute vielleicht eine Kiste Gemüse geschenkt?

Und diese Ehrenamtlichen arbeiten Woche für Woche einige Stunden oder sogar 1- 3 Tage für die Tafel: GLÜCKSBRINGER eben!

 

Nun, inwiefern diese Glücksbringer Tag für Tag selber Glück ausstrahlen können – nach E.v. Hirschhausen ist das nämlich so, dass Glücksbringer auch selber glücklich sind und ihr Glück ausstrahlen – nun, das hängt von vielem ab: von der eigenen Verfassung, der Arbeitsbelastung, dem Klima (drinnen und draußen) usw.

 

Nicht immer strahlen alle: ABER sie strahlen! Jedes Mal, wenn ich in der Tafel bin, empfängt mich eine betriebsame, offene und herzliche Atmosphäre. Hier wird gearbeitet und gelacht, geweint und getröstet, geschimpft und umarmt. Vor allem sind hier Menschen, die Menschen glücklich machen!

 

Ist das Glück wie ein Schmetterling, fragt Antony de Mello in seiner kurzen Geschichte „Das Glück“ (Leipziger Karte Nr. 647): „Das Glück ist ein Schmetterling“, sagt der Meister. „Jag´ ihm nach, und er entwischt dir. Setz dich hin, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.“ „Was soll ich also tun, um das Glück zu erlangen?“ „Hör auf, hinter ihm her zu sein.“ „Aber gibt es nichts, was ich tun kann?“ „Du konntest versuchen, dich ruhig hinzusetzen ...“

 

Und auch das geschieht regelmäßig in der Neuburger Tafel: Man setzt sich mal hin und spricht und isst miteinander, z.B. dienstags oder mittwochs vor der Arbeit.

 

Das GLÜCK der Neuburger Tafel besteht und ist nicht flüchtig! 15 Jahre Neuburger Tafel, und der 1. Vorsitzende ist schon 70 Jahre alt, die Ursel noch etwas älter … „So  jung sind wir alle nicht mehr, sagte mal eine Mitarbeiterin. Und doch: Die Neuburger Tafel ist und bleibt eine tatkräftige Tafel, eine Vorzeigetafel – Herzlichen GLÜCKwunsch!

 

Ich gratuliere dem 1. Vorsitzenden, dem „Vater“  und der „Mutter“ der ND Tafel, Ursula Schmitt, mit 15 Glücksrosen. Unserem Kassier, Klaus Ehneß und Philomena, der 2. Vorsitzenden mit Rosenstöcken sowie Fabian (oder Heiner …) stellvertretend für die Fahrer/innen. Dazu bekommt Ihre einen Glückskompass zum Ausschneiden: Denn egal in welche Richtung man ihn dreht: GLÜCK gibt es in jeder Richtung: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!